Event / Workshop

Ethik und Handlungsfähigkeit algorithmischer Gesichter in der Medizin

TUM Think Tank
13. — 14. Apr 2026

Dieser englischsprachige Workshop untersucht die sozialen und ethischen Auswirkungen der Analyse von Gesichtsbildern in Medizin und Gesundheitswesen, die durch Deep Learning und algorithmische Verfahren zur Mustererkennung und zum Abgleich von Daten ermöglicht wird.

Das menschliche Gesicht ist seit jeher ein Träger sozialer und kultureller Bedeutung. Es vermittelt Identität, Emotionen und Charakter. Heute ist das Gesicht zugleich zu einer Quelle medizinisch relevanter Informationen geworden. Mithilfe algorithmischer Verfahren zur Gesichtsanalyse und des Abgleichs von Gesichtsdaten soll es möglich sein, genetische Erkrankungen zu erkennen, Schmerzen einzuschätzen, neurologische Erkrankungen vorherzusagen und Anzeichen von Krankheiten zu entschlüsseln.

Da solche algorithmisch analysierten Gesichter zunehmend im klinischen Umfeld eingesetzt werden, stellen sich dringende Fragen. Dabei geht es nicht nur darum, wie zuverlässig diese Technologien diagnostische Aussagen treffen. Es geht ebenso um Macht, Risiken und die Frage, wer überhaupt sichtbar gemacht wird – und auf welche Weise.

Die Teilnehmenden des Workshops beschäftigen sich mit den klinischen, ethischen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Technologien. Sie untersuchen insbesondere die Schnittstelle zwischen Medizin und Überwachung und stellen dabei zentrale Fragen: Wer profitiert von der Entwicklung und Nutzung algorithmisch erzeugter medizinischer Gesichter? Und wer wird dadurch möglicherweise einem erhöhten Risiko ausgesetzt?

Der Workshop bezieht außerdem Perspektiven aus der Patientenvertretung ein. Darüber hinaus wird es zwei Keynote-Veranstaltungen geben, an denen auch online teilgenommen werden kann.

Zu den Fragen, mit denen sich der englischsprachige Workshop beschäftigen wird, gehören:

  • Wie wird das Gesicht zu einem diagnostischen Objekt gemacht, und welche erkenntnistheoretischen und wirtschaftlichen Kräfte prägen diese Konstruktion?
  • Welche Auswirkungen hat der Einsatz algorithmischer Werkzeuge auf Gerechtigkeit und Gleichbehandlung, wenn sie bei marginalisierten oder besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden, beispielsweise bei nicht verbal kommunizierenden Patientinnen und Patienten mit Zerebralparese?

Wo liegen die rechtlichen, philosophischen und ethischen Grenzen von „Erkennung“ selbst?

Der englischsprachige Workshop umfasst zwei Keynote-Vorträge:

  • Helena Machado (Iscte – University Institute of Lisbon) spricht zum Thema
    „Wenn Gesichter zu Gesundheitsdaten werden: Die Grenzen der Ethik von KI im Gesundheitswesen“ und
  • Diana Miranda (University of Stirling) hält eine Keynote zum Thema
    „(Un-)Gerechtigkeit durch Gesichtscodierung: Biometrische Identifizierung und Klassifizierung von Körpern“.

Das vorläufige Workshop-Programm finden Sie hier. Bitte beobachten Sie diesen Beitrag auf Aktualisierungen.

Die Teilnahme an den englischsprachigen Keynote-Sessions ist online möglich für alle Interessierten:
https://teams.microsoft.com/meet/3686091761015?p=hw8YxNB7NIqUfDd8KZ

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.codingfaces.com

Veranstalter / Kontakt

Der Workshop wird vom Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschafts- und Technikgeschichte der Technischen Universität München (TUM) sowie von der Ethical Data Initiative (EDI) organisiert.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Paul Trauttmansdorff – paul.trauttmansdorff@tum.de
Nathalia Uribe – nathalia.uribe@tum.de

Danksagung

Die Veranstalter danken für die finanzielle Unterstützung durch das Friedrich Schiedel Fellowship Program for Technology in Society (2025–2026) sowie durch die European Association for the Study of Science and Technology (EASST). Der Workshop findet als Veranstaltung des TUM Think Tank an der Munich School of Politics and Public Policy statt.