Output / Publikation

Die Evolution der G20 Digital Agenda

von Fernanda Sauca, Andras Molnar, James Haw, Arfa Khan, Markus Siewert, Willem Fourie, Armando Guio Español
09. Mär 2026

Der TUM Think Tank ist Teil einer internationalen Partnerschaft, die einen wegweisenden Politikbericht über die Entwicklung der digitalen Agenda der G20 offiziell an südafrikanische Regierungspartner übergeben hat.

Die globale digitale Governance steht vor einer strukturellen Herausforderung: dem Verlust des institutionellen Gedächtnisses. Politische Prioritäten ändern sich rasch, doch das institutionelle Gedächtnis wird nicht automatisch von einem Vorsitzzyklus in den nächsten übertragen. Innerhalb der G20 ist diese Herausforderung besonders deutlich zu erkennen – jeder Vorsitz treibt die digitale Agenda auf wichtige Weise voran, doch Erkenntnisse, Rahmenbedingungen und gewonnene Erfahrungen laufen Gefahr, verwässert, verändert oder neu interpretiert zu werden, sobald der Vorsitz wechselt.

Unser Bericht „The Evolution of the G20 Digital Agenda“ befasst sich genau mit dieser Lücke. Er bietet eine zusammenfassende Analyse der Entwicklung der digitalen Agenda der G20 während der Präsidentschaften von Indonesien (2022), Indien (2023), Brasilien (2024) und Südafrika (2025) und verfolgt dabei Kontinuitäten, Verschiebungen und Spannungen in den drei Säulen: digitale Transformation, digitale öffentliche Infrastruktur (DPI) und künstliche Intelligenz (KI).

Drei Säulen, vier Vorsitze

Die digitale Transformation hat sich von einem Schwerpunkt auf Zugang hin zu einer Betonung von Inklusion und Wirkung entwickelt. Indonesiens menschenzentrierter Ansatz für die Zeit nach der Pandemie wich Indiens Integration von Konnektivität in DPI- und Qualifizierungsrahmenwerke. Brasilien führte im Rahmen einer Vision von universeller und sinnvoller Konnektivität messbare Qualitätsmaßstäbe ein, während Südafrika ein Rahmenwerk für gerechte digitale Inklusion vorantrieb, wobei der Fokus auf Ökosystemen für Kleinunternehmen und nicht-infrastrukturellen Hindernissen wie dem Zugang zu Energie und digitaler Sicherheit lag.

DPI entwickelte sich von einer Reihe von Hintergrundfaktoren zu einem Eckpfeiler der G20-Agenda. Indien formalisierte DPI durch ein spezielles Rahmenwerk, das auf Technologie, Governance und Gemeinschaft basiert. Brasilien fügte rechtsbasierte Governance-Sicherheitsvorkehrungen hinzu. Südafrika führte ein Rahmenwerk zur Messung des öffentlichen Nutzens ein, um die konkreten sozioökonomischen Vorteile von DPI-Investitionen zu bewerten.

Die KI-Governance entwickelte sich von einem Teilbereich der digitalen Transformation zu einer zentralen Entwicklungspriorität. Indien brachte Grundsätze für eine sichere, menschenzentrierte KI im Einklang mit den SDGs vor; Brasilien legte den Rahmen für KI unter den Gesichtspunkten von Gerechtigkeit und Menschenrechten fest; Südafrika untermauerte diesen Kurs mit der Initiative „AI for Africa“ und der „Technology Policy Assistance Facility“, wobei der Schwerpunkt auf dem Zugang zu Rechenleistung, repräsentativen Datensätzen und souveränen KI-Fähigkeiten für den Kontinent lag.

Die Ergebnisse zeigen ein ungewöhnliches Maß an Kontinuität über die verschiedenen Vorsitze hinweg – wobei jedes Jahr auf den Grundlagen des Vorjahres aufbaute.

Von der Analyse zum institutionellen Gedächtnis

Am 26. Januar 2026 wurde der Bericht offiziell an Vertreter des südafrikanischen Ministeriums für Kommunikation und digitale Technologien sowie an Mitglieder der G20-Arbeitsgruppe „Digitale Wirtschaft“ übergeben – damit wurde der Übergang von der Forschung zur aktiven politischen Nutzung vollzogen. Die Veranstaltung wurde vom Policy Innovation Lab der Universität Stellenbosch in Zusammenarbeit mit dem TUM Think Tank und dem Global Network of Internet & Society Centers (NoC) ausgerichtet.

Wir können die Bedeutung vertrauensvoller Partnerschaften über nationale Grenzen hinweg, insbesondere zwischen Deutschland und Südafrika, gar nicht hoch genug einschätzen, um in dieser Zeit des radikalen Wandels eine wirkungsvolle und kohärente Politikgestaltung zu ermöglichen – Markus Siewert (Geschäftsführer des TUM Think Tank)

Angesichts des rasanten technologischen Wandels, der zunehmenden geopolitischen Fragmentierung und der steigenden Anforderungen an die G20, konkrete Ergebnisse zu erzielen, sind institutionelles Gedächtnis und politische Kontinuität nicht mehr nur optional – sie sind vielmehr Voraussetzungen für eine glaubwürdige multilaterale Zusammenarbeit.

Policy Innovation Lab und TUM Think Tank, „Die Entwicklung der digitalen Agenda der G20: Eine zusammenfassende Analyse der Präsidentschaften von Indonesien, Indien, Brasilien und Südafrika“ (2026). Herausgegeben und überarbeitet von J. Haw, F. Sauca, A. Molnar, A. Khan.

Autoren

Fernanda Sauca

Editor

Andras Molnar

EDITOR

James Haw

EDITOR

Arfa Khan

EDITOR

Markus Siewert

CONTRIBUTOR

Willem Fourie

CONTributor

Armando Guio Español

CONTRIBUTOR

Projekte

Das Government Innovation & Technology Lab ist Münchens Katalysator für Innovationen im öffentlichen Sektor und verbindet Regierung, Wissenschaft und Industrie, um zukunftsfähige Institutionen aufzubauen.

Lab