Output / Policy Brief

Zwischen technologischer Souveränität und regionaler Revitalisierung

von Sebastian M. Pfotenhauer, Marlise Horvath Schneider
21. Aug 2026

Was der EU Chips Act 2.0 vom US-Rust-Belt lernen kann

Der geplante europäische Chips Act 2.0 verfolgt zwei ambitionierte Ziele. Er soll zum einen die europäische technologische Souveränität stärken, zum anderen durch gezielte Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Regionen verbessern und neue Perspektiven für deren Zukunft schaffen.

Und das in einer Zeit wachsender regionaler Ungleichheiten und schwindenden Vertrauens in die Gestaltungsmacht demokratischer Institutionen. Erfahrungen mit dem U.S. CHIPS Act im Rust Belt zeigen, dass sich beide Ziele schwieriger miteinander verbinden lassen als häufig angenommen.

Große Innovationsinvestitionen schaffen nicht automatisch Vertrauen in die Zukunft einer Region. Innovationspolitik ist eher in der Lage, glaubwürdige Zukunftsperspektiven zu entwickeln, wenn sie an lokale Probleme und Identitäten anknüpft, durch sichtbare Investitionen in die soziale Infrastruktur ergänzt und gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt wird.

Der ursprüngliche European Chips Act zielte vor allem darauf, Europas Forschungs- und Innovationsökosystem im Halbleiterbereich zu stärken und Investitionen anzustoßen. Der Chips Act 2.0 legt einen stärkeren Schwerpunkt auf den industriellen Ausbau, strategische Projekte, schnellere Genehmigungsverfahren und die Schaffung von „Semiconductor Regions of Excellence". Dabei geht es nicht nur um die Frage, wo neue Halbleiterkapazitäten entstehen sollen – entscheidend ist auch, wie die Perspektiven der Regionen in die Innovationspolitik einfließen können, bevor diese Entscheidungen fallen. Dieser Strategy Brief formuliert sechs Handlungsempfehlungen.

Handlungsempfehlungen

    1. Technologische Souveränität und regionale Entwicklung nicht als automatisches Win-Win darstellen.
  1. Regionale Entwicklung von Anfang an mitdenken.
  2. Innovationspolitik mit Sozialpolitik verbinden und Vorteile früh spürbar machen.
  3. An lokale Identitäten und Erfahrungen anknüpfen.
  4. Auf wirtschaftliche Resilienz setzen – nicht auf neue Abhängigkeiten.
  5. In Wahlzyklen von Jahren denken – nicht in Monaten.

Zum Strategy Brief: DeutschEnglisch

Dieser Strategy Brief ist der erste in einer neuen Reihe, die vom TransforM Munich Center for Transformative Technologies and Societal Change gemeinsam mit dem TUM Think Tank herausgegeben wird.

Autoren

Sebastian M. Pfotenhauer

TransforM

Marlise Horvath Schneider