Öffentliche Werte im Zeitalter personalisierter Nachrichten
Ein gemeinsames Forschungsprojekt des Civic Machines Lab der Queensland University of Technology, des Bayerischen Rundfunks und der Australian Broadcasting Corporation
Die Abstimmung von KI-gestützter Personalisierung auf die Werte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Von Nachrichtenorganisationen wird zunehmend erwartet, dass sie die Inhalte für ihre Zielgruppen personalisieren. Beiträge können nun je nach Nutzer in unterschiedliche Formate, Längen oder Versionen angepasst werden. Gleichzeitig tragen öffentlich-rechtliche Medienorganisationen die Verantwortung, die Bürger über Themen von öffentlicher Bedeutung zu informieren und ein gemeinsames Verständnis der Welt zu bewahren.
Dieses Projekt untersucht, wie öffentlich-rechtliche Medienorganisationen redaktionelle Verpflichtungen, Zuschauerpräferenzen und die Möglichkeiten einer KI-gestützten Nachrichtenpersonalisierung in Einklang bringen können. Es geht der Frage nach, wie Personalisierung redaktionelles Urteilsvermögen, öffentlich-rechtliche Werte und die Erstellung vertrauenswürdiger Nachrichten unterstützen kann, anstatt sie zu untergraben.
Von personalisierten Inhalten zu einem gemeinsamen öffentlichen Verständnis
Personalisierte Nachrichten werfen für Menschen, die in der Nachrichtenproduktion und in verwandten Bereichen tätig sind, dringende praktische Fragen auf:
Wie sollen Entscheidungen getroffen werden, wenn die Präferenzen des Publikums, redaktionelle Ermessensentscheidungen und organisatorische Werte nicht vollständig übereinstimmen? Was geschieht, wenn Nachrichteninhalte dynamisch oder mithilfe generativer KI angepasst werden? Und wie kann redaktionelle Verantwortung gewahrt werden, wenn verschiedene Nutzer möglicherweise unterschiedliche Versionen derselben Meldung sehen?
Das Projekt fasst diese Herausforderung als eine Frage der pluralistischen KI-Ausrichtung zusammen: die Notwendigkeit, KI-Systeme zu entwickeln, die unterschiedliche, manchmal konkurrierende Werte berücksichtigen und gleichzeitig den öffentlich-rechtlichen Auftrag wahren.
Was wir tun
Wir sprechen mit Fachleuten aus ganz Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum, die in den Bereichen Redaktion, Produktentwicklung, Technik, Design und Strategie tätig sind, um zu verstehen, wie redaktionelle Werte im Arbeitsalltag interpretiert, ausgehandelt und umgesetzt werden.
Das Projekt umfasst außerdem Zielgruppenbefragungen, soziotechnische Modellierung und partizipatives Design unter Einbeziehung von Fachleuten aus Redaktionen. Ziel ist es, praktische Werkzeuge, Leitlinien und Proof-of-Concept-Systeme für eine verantwortungsvolle Personalisierung in den öffentlich-rechtlichen Medien zu entwickeln.
Warum das wichtig ist
Öffentlich-rechtliche Medienorganisationen stehen vor einer Reihe miteinander verknüpfter Herausforderungen, auf die dieses Projekt direkt eingeht.
- Die Personalisierung von Nachrichten kann den Journalismus zugänglicher und relevanter machen, aber sie kann auch das gemeinsame öffentliche Verständnis schwächen.
- Die KI-gestützte Anpassung von Inhalten schafft neue Unsicherheiten hinsichtlich redaktioneller Aufsicht, Verantwortung und Kontrolle.
- Die Präferenzen des Publikums, redaktionelles Urteilsvermögen und organisatorische Werte stimmen in der täglichen Nachrichtenproduktion nicht immer überein.
Hinter diesen Herausforderungen verbirgt sich eine grundlegendere Frage: Wie können öffentlich-rechtliche Medien Personalisierung verantwortungsvoll nutzen und gleichzeitig redaktionelle Werte, das Vertrauen der Öffentlichkeit und ihre Rolle bei der Information der Gesellschaft bewahren?
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