Deutsche Universitäten haben eine neue Antwort auf die Lücke zwischen Forschung und Wirkung
Catalyst GER startet seinen ersten Jahrgang
Während Tech-Ausgründungen und Start-ups gut ausgebaute Wege von den Universitäten auf den Markt haben, entwickeln Forschende aus den Sozialwissenschaften täglich herausragende Antworten auf drängende Fragen, doch zu selten finden diese Ideen ihren Weg in die Praxis. Die Infrastruktur, um sozialwissenschaftliche Forschung in die reale Welt zu tragen, war bisher schlicht weniger etabliert. Bis jetzt.
Über Catalyst GER
Catalyst GER ist ein strukturiertes Trainingsprogramm für Forschende in den, Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, die ihre Arbeit über den Zeitschriftenartikel hinaus tragen wollen. Entwickelt von Kindling Ventures und nach einem bewährten britischen Programm modelliert, vermittelt es Forschenden auf allen Karrierestufen die Fähigkeiten, Werkzeuge und das Netzwerk, um ihre Wirkung auf vielen verschiedenen Wegen zu entfalten. Eine Unternehmensgründung ist dabei nur eine von vielen möglichen Optionen.
Der erste Jahrgang startet im März 2026 und bringt Forschende, Postdocs und Doktorandinnen und Doktoranden aus acht deutschen Universitäten zusammen: Ruhr Universität Bochum, Technische Universität Dortmund, Universität Duisburg Essen, Universität Heidelberg, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universität zu Köln, Universität Stuttgart. Die TUM ist Teil dieser deutschen Pilotausgabe, und ein Großteil der TUM-Teilnehmenden kommt direkt aus dem eigenen Netzwerk des TUM Think Tanks: aus Labs, Fellowships und Forschungsgruppen an der Hochschule für Politik München und der TUM School of Social Sciences and Technology.
So funktioniert das Programm
Catalyst GER begleitet die Teilnehmenden durch drei Phasen, die darauf ausgelegt sind, Forschende dort abzuholen, wo sie stehen. Das Programm beginnt mit einem Onlinekurs, der einen Überblick über verschiedene Wissenstransfer-Wege und die dafür nötigen Werkzeuge gibt. Teams mit einem konkreten Projekt können sich anschließend für die zweite Phase bewerben, intensive Workshops, die nicht nur für Gründerinnen und Gründer offen sind, sondern ebenso für Teams, die Beratungsangebote, Weiterbildungsprogramme oder neue Initiativen entwickeln wollen. Das vielversprechendste Team wird mit dem TUM SHAPE Impact Award ausgezeichnet und erhält in der dritten und letzten Phase besonders intensive Unterstützung. Das Ziel dabei: gute Forschung in reale Wirkung zu verwandeln, ob als politischer Wandel, ein gemeinschaftliches Werkzeug, eine Partnerschaft oder etwas ganz anderes.
Der Auftakt
Am 18. März brachte die Auftaktveranstaltung Forschende, Universitätsleitung und externe Partner zusammen und die Energie im Raum machte deutlich, dass dieses Programm einen Nerv trifft. „Wir freuen uns darauf, neue Brücken zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und dem öffentlichen Sektor zu bauen und mit öffentlichen Institutionen, NGOs, politischen Entscheidungsträgern und Sozialunternehmen zusammenzuarbeiten – damit das an der Universität generierte Wissen reale Wirkung entfalten kann“, sagt TUM-Präsident Thomas F. Hofmann. „Dies ist ein zentraler Bestandteil unserer TUM AGENDA 2030+, die gerade als Erfolgskonzept im deutschen Exzellenzwettbewerb ausgezeichnet wurde.“
Urs Gasser, Dekan der TUM School of Social Sciences and Technology, zeigte sich ebenso begeistert und betonte, was Forschende selbst dabei gewinnen können: Engagement jenseits der Wissenschaft schafft Rückkopplungsschleifen, die die Forschung schärfen und Fragen aufwerfen, die kein wissenschaftlicher Artikel allein zutage fördern könnte.
Das Podiumsgespräch schloss hier an: Sozialwissenschaften gehören an den Anfang von Innovationsprozessen, nicht ans Ende. Manon Westphal, die das Democratic Innovations Lab am TUM Think Tank leitet, entwickelt ein Werkzeug, das Praktikerinnen und Praktikern helfen soll, die Gestaltungsentscheidungen hinter demokratischen Innovationen wie Bürgerräten zu navigieren. Florian Egli, Leiter des Transformation Finance Lab, berichtete aus seiner Arbeit mit der Stadt München – einem komplexen Multistakeholder-Prozess, in dem die Bereitschaft zur Zahlung für Innovationen selbst eine Form sozialer Innovation darstellt. Sein Rat: „Solche Dinge entstehen nicht am Schreibtisch. Einfach machen, Vorbild sein und sehen, wie weit man kommt."
c: Andreas Heddergott
c: Andreas Heddergott
c: Andreas Heddergott
Eine natürliche Ergänzung zur Mission des TUM Think Tanks
Ein zentraler Bestandteil der Mission des TUM Think Tanks ist es, sicherzustellen, dass Forschung in die Praxis übersetzt werden kann. Wir haben gemeinsam mit TUM Entrepreneurship die Beteiligung der TUM initiiert und den ersten Jahrgang rekrutiert: fast ausschließlich aus unserem Netzwerk von Labs, Fellows und Forschenden an der Hochschule für Politik München und der TUM School of Social Sciences and Technology. Dass so viele von ihnen bereit und begeistert waren teilzunehmen, sagt selbst einiges aus: Der Bedarf an dieser Art von Unterstützung war immer vorhanden, die Infrastruktur dafür fehlte nur bislang.
Philip Pfaller, Innovation Manager am TUM Think Tank, bringt es auf den Punkt: „Viele unserer Forschenden arbeiten bereits daran, ihre Erkenntnisse in die Praxis zu bringen. Mit Catalyst GER beginnen wir, die Infrastruktur aufzubauen, die sie dabei unterstützt, damit soziale Innovation die gleiche institutionelle Rückendeckung bekommt, die der Technologietransfer seit Jahren genießt."
Wie es weitergeht
Das Programm läuft bis Ende 2026. Die Teilnehmenden durchlaufen die drei Phasen in ihrem eigenen Tempo, wobei der TUM SHAPE Impact Award den Weg zu intensiverer Unterstützung für die vielversprechendsten Projekte öffnet. Der TUM Think Tank wird seine Community-Mitglieder dabei kontinuierlich begleiten und wir werden über die Fortschritte dieser Pilot-Kohorte berichten.
"Viele unserer Forschenden arbeiten bereits daran, ihre Erkenntnisse in die Praxis zu bringen. Mit Catalyst GER beginnen wir, die Infrastruktur aufzubauen, die sie dabei unterstützt, damit soziale Innovation die gleiche institutionelle Rückendeckung bekommt, die der Technologietransfer seit Jahren genießt."
- Philipp Pfaller, Innovation Manager (TUM Think Tank)