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Die nächste Technikrevolution steht schon vor der Tür: Quantentechnologien

von Urs Gasser
27. Mai 2026

Warum wir jetzt schnell handeln sollten. Ein Gastbeitrag von Urs Gasser - erschienen in der FAZ

Quantentechnologien werden unsere Lebens- und Arbeitswelt stark beeinflussen. Vom Quantencomputing über die Quantenkommunikation bis zur Quantensensorik. Die Anwendungen betreffen Sicherheit im Netz, neue Medikamente, präzisere Diagnostik, neue Materialien und bessere Energie- und Logistiksysteme.

Anders als Smartphones oder Sprachmodelle werden Quantentechnologien nicht als Alltagsgerät in unsere Wohnungen einziehen. Sie werden uns vor allem in Rechenzentren, Kommunikationsnetzen, Diagnosegeräten und Finanzmodellen begegnen. Vielleicht ist das ein Grund, warum wir zwar regelmäßig Schlagzeilen über technologische Fortschritte lesen, aber wenig darüber diskutieren, wie wir uns auf ein kommendes Quantenzeitalter vorbereiten.

In einem Gastbeitrag in der F.A.Z. legt Urs Gasser, PI unseres Quantum Social Lab, dar, worauf es in dieser Phase ankommt. Wir sollten nicht den Fehler der KI-Entwicklung wiederholen und uns erst dann mit den gesellschaftlichen Folgen beschäftigen, wenn diese Technologien bereits in globalen Märkten, Geschäftsmodellen und Infrastrukturen verankert sind. Ein „ChatGPT-Moment" der Quantentechnologien könnte deutlich gravierender ausfallen, etwa wenn leistungsfähige Quantencomputer heutige Verschlüsselungsverfahren aushebeln oder quantenbeschleunigte Systeme in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt werden, bevor Prüfverfahren und Kompetenzen Schritt halten.

Was jetzt auf die Agenda muss

Sein Argument dreht sich um zwei Begriffe, die zunächst wenig nach Zukunftstechnologie klingen: TÜV und Volkshochschulen.

Erstens: Prüfkompetenz. Bestehende Qualitätsstandards müssen so weiterentwickelt werden, dass sie Quantenkomponenten mit erfassen in der Medizintechnik, in KI-Standards, in Sicherheitsnormen für kritische Infrastrukturen. Wer Systeme mit Quantentechnologien anbietet, sollte belegen müssen, dass er die damit verbundenen Risiken systematisch kontrolliert bevor die Politik im Detail reguliert. Das in bestehende Normen, Prüfverfahren und Beschaffungsprozesse zu integrieren dauert Jahre. Ein Grund mehr, jetzt damit zu beginnen.

Zweitens: Breite Bildungsangebote. Die Fachkräftefrage ist nicht nur eine Frage neuer Lehrstühle – sie ist eine Frage der Übersetzung. Wer im Bankensektor arbeitet, muss nicht Quantenphysik studieren, aber verstehen, was Quantencomputing für Verschlüsselung und Risikomodelle bedeutet. Wer in der öffentlichen Verwaltung beschafft oder reguliert, muss genug wissen, um Versprechen von Substanz unterscheiden zu können. Quantenbildung darf kein isoliertes Fach bleiben.

Was das Quantum Social Lab am TUM Think Tank dazu beiträgt

Genau an dieser Übersetzungsleistung arbeitet das Quantum Social Lab am TUM Think Tank. Mit der Lernplattform QuantWorld – entwickelt vom Quantum Social Lab und Partnern und gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Raumfahrt und Technologie  – sind bereits Module für verschiedene Branchen verfügbar: Mobilität, Medizin, Banking und Security. Parallel baut das Lab gemeinsam mit rund 40 europäischen Universitäten die Quantum Skills Academy auf.

Die Roadmap zur Hightech Agenda Deutschland im Bereich Quantentechnologien zeigt, dass die Bundesregierung die Richtung kennt. Jetzt kommt es auf die weniger spektakulären Voraussetzungen an: Prüfverfahren, Standards, Beschaffungskompetenz und Bildung. Wenn das gelingt, wird das Quantenzeitalter nicht einfach über uns kommen, dann hätten wir begonnen, es zu verstehen, bevor es einsatzbereit ist, so Urs Gasser.

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Urs Gasser

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